16.09.2015

Digitale Lagerplanung mit Somfy

Lagerneubau am Standort Rottenburg in Kooperation mit dem VETC der ESB Business School

Ralf Götz, Somfy GmbH, Rottenburg (ESB-Absolvent 2007)

Somfy ist ein französisches Unternehmen mit Niederlassungen in über 60 Ländern weltweit. Seit über 30 Jahren entwickelt und vertreibt die Somfy GmbH erfolgreich Produkte für Gebäudeöffnungen, Zugangs- und Sonnenschutzsysteme, die zuverlässig und flexibel auf Helligkeit, Temperatur, Wind und Regen reagieren. Zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Fachpartner und des Marktes - vor allem des Modernisierungsmarktes - bietet Somfy neueste Technologien mit vielen Antriebsvarianten sowie eine große Vielzahl an intelligenten Steuerungen. Mit Firmensitz in Rottenburg am Neckar bedient die deutsche Niederlassung hauptsächlich den deutschen Markt.

Der Standort Rottenburg wurde 1995 neu gebaut und war bereits nach 10 Jahren an seiner Kapazitätsgrenze angelangt, wobei vor allem der Platz im Lager und Wareneingang den gestiegenen Mengen nicht mehr gewachsen war. Mit einem externen Nebenlager in naher Umgebung und der Auslagerung der Lager- und Distributionstätigkeiten des Do-It-Yourself-Vertriebskanals wurde auf diese Umstände reagiert. Vor allem die Abwicklung mit dem externen Nebenlager führte zu einem deutlichen Mehraufwand und Verzögerungen bei der Auftragsabwicklung.

Nachdem Somfy in Deutschland gut durch die Krisenjahre gekommen war und weiterhin starke Zuwächse und Marktanteile auf dem deutschen Markt realisierte, fiel 2010 die Entscheidung für den Neubau. Der Neubau sollte neben Kapazitäten für neue Produkte auch die Integration der bisher ausgelagerten Tätigkeiten sowie zukünftige Logistikkonzepte wie JIT-Belieferung für Großkunden, Belieferung von anderen Standorten der Somfy Gruppe und die Zentralisierung von Logistikaufgaben am Standort Rottenburg berücksichtigen. Um neben der Lagerkapazität auch die gesamten logistischen Abläufe am Standort Rottenburg zu optimieren, wurde ein komplett neues Layout in den Strukturen des bestehenden Gebäudes entwickelt. Auf Basis der Auftrags- und Sortimentsentwicklung für 2017 inklusive der Saisonhöchstbelastung wurde für jede Abteilung ein neues Layout erstellt und alle Prozesse neu auf Basis der abgeleiteten Kapazitätsprognosen überdacht.

Um bereits im Vorfeld verschiedene Layouts intern mit den verschiedenen Abteilungen und Entscheidungsträgern  diskutieren zu können, wurden real-animierte Lagermodelle mit der Virtual Reality (VR) Software TARAKOS in Zusammenarbeit mit dem Virtual Engineering and Training Center VETC der ESB Business School unter Leitung von Prof. Dr. H. Augustin und mit der Projektunterstützung von Herrn D. Bothor erstellt. Nachdem die ersten Pläne des Architekten vorlagen, konnte die Machbarkeit der ermittelten Szenarien mittels detaillierter 3D-Visualisierung überprüft werden. Durch die Bereitstellung von maßstabsgetreuen Modellen der möglichen Systemlieferanten konnten realistische Modelle der verschiedenen Abteilungen vor der Bestellung der Systeme erstellt und räumliche Anforderungen aus der Planung mit dem Architekten abgestimmt werden. Aufgrund der damals noch begrenzten Objektbibliothek in TARAKOS musste fast alle Fahrzeuge und sonstige Betriebsmittel erst vom jeweiligen Hersteller als Modell angefordert oder im VR-System VISTABLE oder in CAD-Programmen anhand der Datenblätter erstellt und importiert werden. Die Auswahl der richtigen Betriebsmittel und die Dimensionierung der Arbeitsplätze, Lauf- und Fahrwege konnte auf dieser Basis dann deutlich fundierter erfolgen. Insbesondere für die Gestaltung der neuen Arbeitsplätze sowie Auslegung von Pufferflächen und Fahrwegen hat die detaillierte Visualisierung sehr geholfen. Mit der immersiven Virtual Reality der 3D-Powerwall des VETC-Labors konnten die Arbeitsplätze nicht nur geplant sondern auch virtuell begangen werden. Diese virtuellen Rundgänge wurden dafür genutzt, um wichtiger Gestaltungsaspekte, z.B. ergonomische Zugriffe etc., zu optimieren.

Insgesamt hat sich die Zeit von etwa 10 Arbeitstagen für die Erstellung der Layouts im VETC-Labor auf jeden Fall gelohnt, da auf Basis der 3D Modelle die geplanten Konzepte mit verschiedenen Personen im Unternehmen, die teilweise auch nicht so tief in der Materie steckten, besser diskutiert werden konnten

Somit haben wir sehr gute Erfahrungen mit der Visualisierung im Vorfeld der Entscheidungsfindung gemacht und nutzen die 3D-Modelle heute noch, um mit einzelnen Abteilungen mit wenig Aufwand neue Layouts für optimierte Prozesse zu planen.